2007 Volnay Fremiets 1er Cru, Comte Armand

  

Ein Roter Burgunder diesmal. Einen Volnay, das liegt an der Cote d’Or und ist garnicht weit von Pommard entfernt. Deshalb haben auch viele Winzer in beiden Gebieten eine Parzelle. So wie ich das gelernt habe, sind Weine aus Volnay ein wenig weicher als ihre Gegenstücke aus Pommard. Und Fermiets zählt hier zu den fünf Top Lagen. Einen Premier Cru deshalb, weil der jetzt schon gut genießbar ist und die Tannine dem Wein nicht im Weg stehen. Für Grand Crus muss ich sagen, ist der Coravin ein echter Segen. Probieren und dann trinken oder weglegen. So spart man sich so manche enttäuschung. Bei diesem Wein hier ist es nicht ganz so schlimm, hier werden keine Vermögenswerte zerstört, sondern nur rund 65€. Man sollte sich trotzdem darüber im klaren sein, dass 65€ im Burgund etwas anderes ist als in Italien, wo man für das Geld einen trinkfertigen supertoskaner bekommt, der den ganzen Abend, selbst unkonzentriert einen heiden Trinkspass bereitet. Nein hier bekommt man einen nicht ganz so gefälligen Wein. Kurz zu ebendiesem: Eiweis ist drin, filtriert wurde aber nicht, 25% neues Holz und 35-65 Jahre alte Reben. Je nach Wetter gibt es hiervon Rund 1800 Flaschen im Jahr. Und das aus 0,39ha. Und genau wie die erwähnten Italiener hat auch dieser Wein seinen Charme.

Sehr helles Rot, sehr transparent. Der Wein riecht schwer und erdig, dunkle und süße Fruchttöne, die so garnicht zum Pinot Noir passen wollen erreichen die Nase. Mit der Zeit und ein paar Schwenkern im Glas lockert er aber auf, aus Datteln werden Walderdbeeren und aus der alten Cigarbox ein Ziagrillo, ein bisschen Blaubeere noch ein bisschen Walpilz hier und dort. Die Nase ist tief und lässt sich bei geschlossenen Augen lange bewundern. 4,5/6 Hier ist aber noch deutlich Potential nach oben. Wie die Nase, braucht auch der Wein seine Zeit um sich, zumindest ein wenig, zu entfalten. Dann bekommt man einen kühlen, fruchtigen Wein, der zu betören weiss. Erdbeeren und frische, saure Himbeeren nebst einem tollen Erdigen ton, Milchschokolade, Haselnüsse, alles verschmolzen und wunderbar ausbalanciert, das stören die weichen aber durchaus präsenten Tannine garnicht. Die finesse mit der die Komponenten sich ausgleichen wird sich in den nächsten Jahren noch weiter entwickeln. Momentan spielt die Säure doch noch ein bisschen die erßte Geige, das macht aber nichts, da sie sich wunderbar mit der mineralischen Kühle und Spannung die dieser Wein vermittelt verträgt. 5/6 Im Abgang kann man nicht so viel finden. Die Tannine sorgen dafür, das dieser relativ kurz ausfällt und nach einem weiteren Schluck schmachten lässt. 3,5/6

Oberflächlig betrachtet wäre der Wein eine 3/6. Aber dann beschäftigt man sich mehr und mehr damit und legt immer wieder neue schichten frei. Der Wein gefällt mit jedem Schluck mehr und fordert heraus, sich noch intensiver in den Wein hineinzudenken. Der Wein willt erforscht werden und belohnt die Zeit die man investiert mit einer tollen Erfahrung. Eideutig ein Wein zum bewussten trinken. Alleine vor dem Kamin, aber ohne Buch. An diesem Abend wird der Wein gelesen. Essen würde ich dazu nicht viel. Ein Brot mit Butter und ein paar Steinpilzen, einen leckeren Schinken, vielleicht gerade noch so. Nicht jedes mal, sondern jedes zweite mal, wenn ich mich an einen Burgunder heran traue, werde ich sehr positiv überrascht. Man muss sich allerdings die Zeit nehmen.

4,5 von 6 Punkte.

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