2012 Anjou Coteau des Treilles, Pithon Paillé

   

Mit dem kleinen Bruder dieses Weines habe ich bereits auf einer Hochzeit vor zwei Jahren über drei Tage sehr gute Bekanntschaft geschlossen. Jetzt war es Zeit sich an den großen heran zu wagen. Das Spiel war das gleiche wie beim Roten Veltliner von Arndorfers. Großes Zalto Burgunderglas, über 4 Tage probiert. (Ja das auf dem Bild ist das Universalglas das ich versuchsweise kurz verwendet hab, aber ich fand das Bild eben recht schön). Erstmal zum Wein: Natürlich 100% Chenin Blanc. Natürlich von der Loire. Natürlich Naturwein. Die Reben sind im Schnitt erst 10 Jahre alt. In langjähriger Kleinstarbeit haben die Winzer sich 70 verschiedene Parzellen in dem Gebiet von vielen Winzern zusammengekauft die sie dann 2000 neu bepflanzt haben. Große Teile des Anbaugebietes sind extrem Steil und schwer zu bewirtschaften, deshalb und wegen der recht spärlichen Bepflanzung gibts auch nur 20hl/Hektar Ertrag. Nachdem die Trauben dann letztendlich mühsam in Handarbeit gepflückt wurden, gehts 12 Monate ins neue Barrique. Danach nochmal 3 Jahre ins alte Barrique und zum Beruhigen noch einmal 6 Monate in den Inox-Tank. Ziemlich langer Reifeprozess also, aus dem ein 13,9% Chenin Blanc Bollide erwächst. 

Tag 1
Die Nase lässt schon auf einen kräftigen Wein schließen. Leicht Vanillig und Hasselnussig, stark Sherry und Kräuterbetont. Am Gaumen dann nochmal um einiges dichter als der Veltliner. Viel viel Vanille, sehr nussig, wenig Kräuter. Viel zu viel Sherry. Frucht kommt höchstens als Dörrobst noch daher. Der wirklich ewig anhaltende Abgang geht aber wieder deutlich ins Nussig würzige und bleibt mit Vanillehonignoten ewig kleben. Allein wegen der Dichte und Wucht der noch nicht ganz ausbalancierten Aromen gibts hier schon 4/6.

Tag 2
Jetzt ist der Sherry schon ein bisschen aus der Nase verflogen. Die Vanille und Nuss ist immer noch sehr präsent, einzig die exotische Frucht lässt auf sich warten. Am Gaumen dann wieder dieser unglaubliche Druck und diese krasse Intensität der Aromen. Dicht, fett, cremig und tief. Getrocknete exotische Früchte die ich garnicht alle aufzählen kann gehen Hand in Hand in perfekter Balance mit Vanille und einem Hauch Zacapa Rum. Die Säure ist jetzt schon toll eingebunden und dem langem Ausbau im Fass ebenbürtig. Der schier endlose Druck lässt die Grenzen zwischen Gaumen und Abgang verschwinden und treibt den Wein mit viel Karamell und Grüntee sehr gemächlich in dieses langsam ausklingende Finish. Ein Schauspiel für alle Sinne. Wenn der mal reif ist.  5,5/6

Tag 3
Die Nase hat sich kaum mehr verändert, wenn dann hat sie sich eher gemäßigt. Die Kraft ist im Mund schon auch noch da, die Finesse vom Vortag lässt sich allerdings vermissen. Der Wein kommt fast schon Plump daher. Nach weiteren fünf Minuten im Glas kommt ein Teil der Frucht von Gestern wieder, aber flacht auch schnell wieder ab. Auch die Sherrynoten vom ersten Tag lassen sich noch einmal kurz blicken. Der Abgang ist viel Ätherischer und kräuteriger geworden, die erstaunliche Länge hat er behalten. Da ist schon noch viel Kraft da, der Wein braucht aber komischerweise ein wenig Zeit im Glas. 4/6

Tag 4
Die Nase wird immer schwächer. Dafür wird der Wein aber im Mund wieder konzentrierter und gewinnt an Kraft. Er wirkt kräuteriger, Grüntee, Karamelltoffee und Vanille sind wieder an der Tagesordnung. Er hat sich bis heute recht schön entwickelt, hat aber über die Langstrecke gegenüber dem immer besser werdenden Roten Veltliner weiter abgebaut. Die Aromen haben sich mehr ineinander verwoben und werden immer schwerer differenzierbar. 4,5/6

Ich denke ich habe an Tag 2 eine Art Sweet-Spot erwischt. Eine Aussicht darauf wie der Wein sich entwickeln kann und welch riesiges Potential in ihm steckt. Dieser kleine Blick durchs Schlüsselloch der Entwicklung dieses Weines kommt mir wie eine Eingebung vor. Eine Erinnerung an den 1994er Huet Le Monde den ich letztes Jahr im Glas hatte und der mir so unendlich viel Freude bereitet hat. Auch hiervon werde ich mir ein paar Flaschen weglegen und die Entwicklung mit Genuss beobachten. generell sollte ich ein paar mehr Anjou kosten, wenn ich die Chance dazu bekomme. Mit der Bewertung bin ich mir ein bisschen uneins, da der Wein doch die meiste Zeit noch am schlummern war. Deshalb werde ich einfach die tageweise Bewertung stehen lassen.

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