1998 Barolo Riserva Bussia „Munie“, Franco Conterno


Was ist das für ein Gefühl, wenn man einen Wein zu früh aufgemacht hat? Man freut sich, dass er so langlebig ist. Im falles dieses Rotweins, freut man sich sogar sehr. Heute wollte ich mich auch freuen. Also richtet sich der Blick nach Monforte ins Piedmont. Und zwar zu einem relativ preisgünstig Namensvetter der berühmten Conternos. Ein Barbaresco hätte es eigentlich auch getan, aber je härter der Tag desto härter will man manchmal den Wein, also Barolo…

In der Nase hat man sauer eingelegte Vogelkirschen und Kirschen,  sehr viel eisenhaltige Erde und dieser schöne Rosenduft nach einer Stunde auch noch intensive Kräuteraromen. Viele Schichten von all dem. Animalisch, expressiv und dicht. Nur leider noch nicht so ganz offen. Man riecht die kommende Tanninbombe schon und die Frucht könnte sich ruhig schon einmal ein bisschen mehr zeigen. Trotzdem sehr typisch. 5/6 

Und die Nase soll recht behalten. Wie frisch auf die Flasche gefüllt. Säure ist genügend für die nächsten 18 Jahre da. Und Tannine für 25. Bei jedem anderen Wein würde man von schlechter balance sprechen. Aber bei der Riserva ist das ja einigermaßen gewollt und beim Barolo erst recht. So langweilig das klingt, aber die Aromen aus der Nase bestätigen sich vollkommen und Bitterschokolade kommt noch deutlich dazu. Und trotz der Überladung an allem wirkt der Wein immernoch feingliedrig und grazil. Keinesfalls zu dicht um den Wein schon zu genießen. 5/6

Einzig der Abgang leidet noch unter den Tanninen die hier zu stark überdecken und ewig kleben bleiben. 3,5/6

Jetzt zum kleingedruckten auf der Flasche. Es handelt sich hier um einen Bussia, mir und den meißten Barolo trinkern neben Cannubi ein Begriff, wenn es um die Prestigelagen für Barolo geht. Der Wein bringt keine neuen Erkenntnisse aber wäre der perfekte Wein für Prüfungen und Sensorikseminare. Der Unterschied zum feingliedrigeren Barbaresco ist gravierend und auch der Unterschied zum weniger ruppigen Cannubi wird deutlich. Und manchmal, nach einem 12 Stunden Arbeitstag braucht man genau das: keine Überraschung 🙂

4,5 von 6 Punkten

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s