1998 Campora, Falchini


„Der hatte die unterm Tisch bei der Vinitaly dabei und beim Gespräch haben wir rausgefunden, dass er noch einiges davon im Weingut hat und mal Probeweise was davon gekauft.“ Das sah interessant aus, vor allem für 30€. Da kann man ja garnichts falsch machen, dachte ich mir und nahm mal eine Flasche mit. Wie das so ist, wenn man sie nicht gleich trinkt, versinkt sie in den „Tiefen des Kellers“ oder wird dort wenigstens ein paar Wochen oder Monate vergessen. Bis eben der Moment kommt in dem man sich wieder daran erinnert. Da war doch noch was, was ich probieren wollte. Heute war eben dieser Tag.
Kurz zum Weingut: Es liegt bei San Giminiano in der Toscana (da wo Chianti Colli Senesi herkommt) und baut dort alles an, was man so in der Toskana anbauen kann. Malvasia, Trebbiano, Sangiovese, Merlot, Cabernet Sauvignon, Chardonnay und eine Menge von einer einheimischen Vernatsch Züchtung. Der Campora besteht zu fast 100% aus Cabernet Sauvignon und wird in alter Supertuscan Manier als IGT, also Tafelwein produziert. Deshalb muss man auch nicht wirklich angeben, falls man ein paar Prozent Merlot daruntermischt. Oder irgendwas Anderes was man gerade noch so anbaut. Die 100%+X werden dann 2 Jahre in Barriques ein bisschen haltbar und komplexer gemacht, bevor sie danach noch knapp 2 Jahre in der Flasche noch ein bisschen reif gemacht werden. Aber glauben Sie es mir, das Zeug hält ewig. Selbst in einem so mittelmäßigen Jahrgang wie 1998. Und wie wir alle von Manfred Klimek wissen: auch in der Toskana gibt es gute und bessere Jahre.

Wunderbar elegantes Bouquet mit Altersnoten typisch, aber komplex und ausgeprägt. Leder und Cigarbox, Pfeffer ein bisschen Paprika und nach einer Stunde kommt auch mehr Himbeere und Cassis. Eine interessante Nase die sich im laufe der Zeit mit immer mehr dunkler frucht zeigt. 4/6 Im Mund auch schon starke altersnoten im Geschmack, aber in Struktur und Säure wie neu. Richtig schön erdig aber deutlich mehr frucht, wenn auch in den ersten 30 Minuten noch ein bisschen mürbe. Genau wie an der Nase dreht der Wein dann richtig mit der Frucht auf. Das macht spass, ist schmelzig, und hat einen schönen Trinkfluss. 4,5/6 Die Pfeffrige Würze zieht sich in den mittellangen Abgang hinein und verabschiedet sich mit den anfänglichen Cigarbox und Ledernoten wieder. 3,5/6

Ein schöner, etwas süffigerer Cabernet als vom linken Bordeaux Ufer. Aber so sind sie eben, die Toskaner. Sie machen in manchen Situationen Spass, sind eben ein bisschen maskuliner, wärmer als Bordeaux. Natürlich fehlt ein wenig die Finesse der großen Weine, aber für rund 30€ ist das ein sehr gelungener Rotwein der auch mit 13,5% Alkohol schon mächtig aufdreht. Wer jetzt nach einer noch nie dagewesenen Kpomplexität sucht ist sicher falsch beraten, aber wer nach einem sehr gut gemachten, extrem gut gereiften Rotwein mit Niveau sucht, kommt mit dem Campora klasse klar. Mehr wollte ich heute Abend auch nicht haben. Witzig, wie man immer wieder neue Entdeckungen macht, wenn man einfach ein wenig stöbert. Es gibt noch eine Menge zu entdecken in Italien.

4 von 6 Punkte.

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