2012 Schieferstern Purus, Trossen

Manchmal wird es Zeit seine Lieblingsweine mal wieder zu re-evaluieren. Man entwickelt sich ja weiter. Vor allem mit wichtigen Proben und viel Konzentration. Mein Problem ist es manchmal zwischen Gefallen und Konsum zu unterscheiden. Manchen Weinen jage ich sehr lange nach. Wenn man sie dann trinkt, sind sie wie eine Art Erfüllung. Man will nicht, dass sie schlecht sind. Oder man genießt sie einfach, ohne sie ganz genau zu „sezieren“. Wenn man dann genauer seziert, findet man heraus, dass es vielleicht kein großer Wein ist. Jemand der das besonders gut kann ist manchmal praktisch, in manchen Momenten zerstört es allerdings den Genuss. Dann aber die Weine zu finden, die beides Vereinen: Handwerk und Genuss. Einen Wein an dem man wenig Makel findet, der ein „Genuss“ zu trinken ist und dann auch noch einen Gewissen Trinkfluss hat. Das ist die Krönung. Deshalb macht es Spass auch große Weine manchmal doppelt zu trinken. Weil ich eben manchmal nicht die Ruhe habe mich so mit einem Wein auseinander zu setzen wie in einem ruhigen Moment für mich selbst. (Mit einer der Gründe aus denen ich diesen Blog betreibe.)

Den 2015er Pyramide hatte ich bei einer Blindprobe vor ein paar Monaten dabei und er hat selbst die überzeugt, die ihn schon einmal getrunken haben und eigentlich nicht mochten. Mich hat er auch wieder überzeugt. Aber anders als manche Barbarescos aus meinen früheren Weinjahren die mich auch manchmal enttäuschen, scheint dieser Wein wirklich zu liefern. 

An der Nase meldet sich erstmal die Flasche Holunderblütensirup die ich deutlich verschüttet habe. Aber da kommt noch viel mehr. Quitte, Pampelmuse und viel Kumquat. Auch noch Waldhonig und Gelee Royal. Sehr expressiv, nicht zurückhaltend mit neuen Entdeckungen alle 5 Minuten. 5/6 Im Mund dann offen. Von gealtert oder „reif“ kann ich bei Naturweinen manchmal einfach nicht sprechen. Die typischen sensorischen Hinweise auf Reife sind einfach nicht da. Es ist wirklich toll, wenn sich eine so vielfältige Nase am Gaumen auch noch bestätigt. Die Säure ist akzentuiert, feinnervig, perfekt eingebunden und hebt das Konzert aus außergewöhnlichen Zitrusfrüchten besonders gut hervor. Der Honig kommt eher zum Abgang hin. 5,5/6 Wie eben schon gesagt, zum Abgang hin kommt der Waldhonig. kräftig, aber schnell vergänglich. Auch die Säure wirkt noch ein bisschen nach. 4/6

Bitte nicht falsch verstehen, der Wein ist trotz der Tiefe sehr kantig und rural. Einfach ein bisschen „unzivilisiert“ aber genau das macht Spass daran. Es ist immer noch Riesling aber eben nicht der feinfühlige, 10,5% Leitz. 13,5% Alkohol ist eine ganz schöne Ansage, aber es funktioniert einfach. Wenig Alkohol mit viel Dichte funktioniert zwar seltener wie viel mit viel Dichte. Aber dieser geile Trinkfluss und Genuss, ich bin mir sicher, der Wein ist genau da, wo er sein sollte und so wie er gewollt war. Und wie schön ein Wein mit einem Kronkorken reifen kann, bleibt mir als Drehverschluss Verweigerer auch verborgen. Fakt ist, ich bin froh, noch ein paar Flaschen 2015 im Keller zu haben und muss sagen, genau das muss Naturwein für mich können. 

5 von 6 Punkten

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