2015 Rechnitz, Dieter Herist

Gegen Ende des zweiten, recht heiteren ProWein Tages vor 3 Jahren gingen wir zurück in die Österreich Halle um den Tag mit schönen Weinen ausklingen zu lassen. Wir, eine Gruppe aus 3 Gastronomen, einem Großhändler und mir, hatten allerdings noch einen Stopp vor uns. Ein netter junger Winzer den wir am Abend davor kennen gelernt hatten wartete auf uns. Untypisch für das Rege treiben an den Ständen, namen wir erst einmal in einer für die ProWein recht großzügigen Sitzecke Platz. Warum? Weil man für diesen Wein ein bisschen Ruhe gut gebrauchen konnte. Drei Weißweine gab es, alle drei Gastronomen schlugen sofort zu. Fairer Preis, für sensationelle Leistung. Mir haben die Roten fast noch besser gefallen, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Tag. Herr Herist bewirtschaftet dort sehr alte Welschriesling Reben aus dem ehemals Elterlichen Weingut. Und das nicht nur mit Hingabe, sondern auch mit für mich grandiosem Erfolg. Ein Vergleich wäre eigentlich fies, aber als ich vor ein paar Jahren beim Weissen Schiefer M meinte, mehr geht nicht mit dieser Rebsorte, lag ich grandios daneben. Über das Weingut wurde in anderen Blogs denke ich schon genug geschrieben, ich will lieber kurz den Wein anreisen, der mir endlich mal wieder die Ruhe und Inspiration gegeben hat, einen Beitrag zu verfassen. 

Der Wein wurde meines Wissens nach erst vor kurzem auf die Flasche gefüllt und hat noch ein illustres Leben vor sich. Trotzdem schimmert er hier in recht dunklem Gold im Glas. Großes Holz, Check. Unfiltriert, Check. Maischestandzeit, sicher ein paar Stunden.
Die Nase kommt erst herb, leicht kräuterig, und noch leichter nussig daher,  dahinter ist aber deutlich eine klare Frucht. Physalis, Sanddorn und Mirabelle treffen es wohl am besten. Man bekommt die Nase anfangs nicht aus dem Glas, der Wein braucht eine Weile, bis er sich richtig greifen lässt. Jetzt, nach einem Tag an der Luft, hat er sich aber gesammelt und gibt ein wenig Aufschluss über die schönen Aromen die sicher in den nächsten paar Monaten und Jahren noch deutlicher zum Vorschein kommen werden. 5/6 Falls man das Glas dann doch mal zum Mund bekommen sollte, fällt einem sofort die Balance des Jahrgangs 2015 auf. Hier wurde nichts geschönt, keine Säure rausgekitzelt um möglichst frühes Trinkvergnügen zu bereiten. Und das ist auch gut so. Wie auch der Jahrgang tragen die Entscheidungen im Keller weiter zur Balance, vor allem aber zur Struktur bei. Säure, leichter Gerbstoff und der darauffolgende Schmelz sorgen für ein famoses Mundgefühl. Süffig, wenn man will, es macht aber viel mehr Spass den Wein ewig im Mund zu behalten und sich Schicht für Schicht durch zu arbeiten. 5/6 Boden, Rebsorte, Klima, Wetter, Handschrift (wenn man von solcher bei den wenigen Eingriffen sprechen darf) sind hier klar erkennbar. Der Gesamteindruck vom Anfang in der Nase bestätigt sich aromatisch. Dem pannonischen Klima und wärmeren Jahrgang geschuldet, kommt der Wein mit 13% Alkohol daher, die im in keinem Moment Trinkfluss nehmen oder sich wahrnehmbar bemerkbar machen. 

Im Fazit, ein Wein mit dem ich jetzt schon meinen zweiten Abend am Stück verbringe. Unter normalen Umständen hätte ich jetzt sicher noch zwei andere Flaschen offen, weil mir langweilig wurde. Ist mir aber nicht geworden.  Alleine deshalb, keine 4,5.

5 von 6

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