That escalated quickly…

Nun, das Wochenende war durchwachsen. Am Freitag eine kleine Jura Enttäuschung mit zwei weniger als mittelmäßigen Ganevats. Die Cuvee de Garde war einfach ungenießbar. Die Cuvee des Enfants Terrible einfach nur flach.
Nun ja, da kam der Samstag der nach einer Verkostung Griechischer Weine die bald im Deutschen Handel erhältlich sein werden (Bericht folgt) noch kurz von meiner Seite durch einen 1983er Cavalotto Riserva Vigna San Guiseppe aufgewertet wurde. Voller Genuss. Der Barolo war noch frisch und zeigte sich nach kurzer Zeit in der Karaffe von seiner schönsten fruchtigen Seite. Einzig die Tannine ließ er ein wenig vermissen.
Aber dafür war ja der Besuch im Schwarzen Adler am Sonntag da.

Ganz langsam und behutsam fingen wir mit einer 2011 Sancerre Clos de Beaujeu an. Feiner und leichtfüßiger als Cotat leitete er zu Austern den Abend ein. Das war für mich klassischer Sancerre. Ganz leichter Schmelz, aber eher frisch und vor allem feingliedrig.

Aufgrund eines „kleinen“ Verständigungsfehlers ging es dann sehr viel weniger behutsam weiter. Ein 2008 Chablis Grand Cru Les Blanchots Vielles Vignes von Billaud Simon  veredelte meine Gänseleber und passte mit seiner kalkigen Frische und Aromen von grünem Apfel perfekt zum Apfel Chutney. Als hätte ich es gewusst. Die 2008er Säure war perfekt, der Wein komplett Balanciert und hätte ich nicht noch 5 Mittrinker gehabt, hätte ich die Flasche auch selbst in kurzer Zeit geleert. Wieder war es dieser leichte Schmelz und die beginnenden Tertiäraromen die dem Wein neben der Frische noch mehr Tiefe gaben. 5,5/6 Ganz großes Kino.

Die Karte kreiste weiter. Die Wahl fiel auf einen 1991 Chateau Fieuzal Blanc. Superb gereift aber schon mit sehr deutlichen salzigen und karamelligen Anteilen war der Wein eine gelungene Abwechslung. So sollte guter Bordeaux Blanc reifen. Der Wein begleitete mich beim letzten Biss der Gänseleber sowie dem ersten Löffel der Suppe und konnte beide Gerichte mit seiner Kraft und Dichte bereichern. 4,5/6

Da die Büchse der „heute Abend aber nicht übertreiben“ Pandora geöffnet war, gab es gleich zwei Burgunder zum probieren nebeneinander. Einmal 1973 Clos de la Roche Armand Rousseau und weil wir schon da waren 1999 Gevrey Chambertin 1er Cru Les Cazetiers oben drauf. Zur Suppe á la Paul Bocuse passte das hervorragend. Wir fingen mit dem Gevrey Chambertin aus einem heißen Jahr an. Mir sind die meißten Gevreys einfach zu mächtig. So auch dieser. Die Säure wurde zu stark von der für meinen Geschmack zu süßen Beerenfrucht überdeckt. Nicht falsch verstehen, der Wein hat sicher 5/6 Punkte. Trotzdem fehlte ein wenig die Finesse die ich sonst erwartet hätte. Ganz anders der 1973 Clos de la Roche. Heute eine Grand Cru Lage, damals auf dem Etikett noch nicht als solche ausgewiesen. Der Wein war Lebendig, frisch, das Säurerückgrat komplett intakt, schmeichelnde Tannine, und eine Präzision die manchen alten Weinen abgeht. Ein Strauß Tertiär, hauptsächlich erdig, ledrig, milchschokoladig. Zwischen 5,5 und 6/6 Punkten.

Da wir schon immer zwei Weine gleichzeitig bestellten kam der nächste zweier Flight. 1969 Chateau Ausone und 1969 Chateau Latour. Den Anfang machte der 1969er Ausone, die Überraschung des Abends. Die Weine sind im Grunde immer ungefähr 50% Cabernet Franc und 50% Merlot. Der Wein war göttlich. Unglaublich präsent, dicht gewoben, präzise, in der Farbe mehr 1990er als 1969. Letztendlich hat mich aber der feine, elegante und ewig junge Charakter des Weines überzeugt. Ein schillernder Einzelgänger unter den im Alter manchmal austauschbaren Bordeaux Weinen. Die 6/6 Punkte hat der Wein sich verdient. Leider gab es für jeden nur 1-2 Gläser und ich konnte nicht die ganze Verwandlung dieses außergewöhnlichen Weines mitverfolgen. Ich muss meine Sammlung aufstocken! Dann kam der 1969 Chateau Latour an die Reihe. Dieser war deutlich kraftvoller, aber auch ein klein wenig breiter. Im Grunde auch verschiedene Weine, war hier doch viel mehr Cabernet Sauvignon im Spiel. Nichts desto trotz war der Wein beeindruckend, wenn auch leicht hinter seinem Höhepunkt. Ein schmeichelndes Erlebniss, von jedem Schluck konnte man Minuten zehren. Die getrüffelte Poullarde interessierte bei den Weinen im Grunde niemanden mehr. Die Möglichkeit diesen praktisch nicht mehr erhältlichen Giganten trinken zu dürfen sollte aber nicht über die nur 5,5/6 Punkte hinwegtäuschen 😉 Der Ausone gewann hier einstimmig.

Müde waren wir noch nicht, wohl aber von der Macht des Cabernet Franc überzeugt, deshalb gab es einen 1975 Chateau Cheval Blanc oben drauf. Der meißtens aus ebenfalls 50/50, meißtens aber mit ein wenig mehr Melrot cuvetierte Bordeaux überzeugte nicht sofort, sondern ließ sich 15 Minuten Zeit. Erst ein wenig scheu, eher an Merlot erinnernd, übernahm immer mehr die Cabernet Franc Aromatik mit ihren wilden, erdigen, animalischen Zügen, bis schließlich beides perfekt vermählt zueinander fand. War das gut? Nein, genial! Endlich mal ein Wein, der auch wirklich seinen hohen Preis Wert ist. Im Vergleich mit dem Ausone war hier dezent noch ein bisschen mehr Wucht, Konzentration und vor allem Wechselspiel zwischen Cabernet Franc und Merlot erkennbar. Auf der anderen Seite, war der Wein aber auch verkopfter und fordernder. Das Aha Erlebniss musste erst einmal gefunden werden, anders als beim Ausone, der instinktiv oder vielleicht auch vordergründiger wirkte. Beide hier auf 6/6 Punkte Niveau. Wenn ich eine 100 Punkte Skala hätte wäre der Ausone auf 97 und der Cheval Blanc auf 96 Punkten. Da ich ja aber generell eher Alltagsweine bewerte, lohnt sich diese Haarspalterei meistens nicht.

Wie das so läuft, haben sich ein paar mit dem Nebentisch verquatscht oder in die „Zigarrenlounge“ zurückgezogen um dort mit besagtem Nebentisch eine 1989 Calon Segur Magnum zu killen. Deshalb konnte auch ungemerkt eine Flasche 1990 Chateau Lafite Rothschild blind serviert werden. Der Wein war natürlich noch viel zu jung. Das machte aber wirklich nichts. So eine hedonistische (im guten Sinne) Nase, so eine angenehme Aromenexplosion. Dichte, und Druck ja, aber niemals überfordernd oder zu viel auf einmal. So vielschichtig, aber auf eine zugängliche Art und Weise. Eine gediegene Überlieferung der Kraft und Finesse die in diesem Wein steckt. So könnte man es vielleicht bezeichnen. Jetzt hatten wir zwei volle Gläser, Aufgrund der schwindenden Menge. Eins hätte aber gereicht um sich eine Stunde damit zu beschäftigen. Der Wein ist ein Gigant und wird auch noch gigantischer werden. Schon wieder 6/6 

Zum Absacker gabs dann noch einen 2008 Cornas von Clape der unter normalen Umständen fantastisch gewesen wäre. Den Lafite konnte man allerdings leidern nicht mehr toppen und der Sommelier wollte auch irgendwann ins Bett.

Lustigerweise ist ein Glas Lafite übrig geblieben. Das kam mit aufs Zimmer wo es den wohl teuersten Rotweinfleck in der Geschichte des Zimmer anrichtete. Und der übrige Rest schmeckte auch aus den Mineralwassergläsern noch famos.

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